Malerei, Dichtung


Einzelbilder

Ich versuche meine musikalischen Gedanken oft mit einem Bild und Gedicht zu verbinden, sodass eine Gesamtkomposition aus Wort, Bild und Ton entsteht. Alle drei Komponenten sollen sowohl als Einheit, sowie als Einzelwerke fungieren.
Folgende Zeichnungen und Gedichte stellen eine Auwahl dar. Zugehörige instrumentale Werke größtenteils sind entweder
für Solocello & Stimme oder Chor und Solocello geschrieben.



Flüge(l)sein


Ausgezogen bin ich, meine Flügel zu finden,
gefunden hab´ich, mein Äußerstes zu winden.
Zu binden an das Innerste mein Zeitgewerde,
verschwinden dann der Frust und die Beschwerde.

Beschwerlich ist der Weg, das Flüge-Werden,
fliege ich? Gleicht es nicht dem Schlaf, dem Sterben?
Immer wieder ist es sterben, jede Nacht leg´ich mich hin.
Doch aufrecht ist der Tag, solang´ich Mensch-geworden bin.

So nimm, was dir die Stunde in die Hände schenkt
und sind sie leer, dann gewahre, wer dich lenkt.
Gib diesem hin die Leere deiner Stunden,
gib sie umsonst. Sonst bleiben sie an dich gebunden,

deine Flügel. Lass sie los, dann werden sie dich halten.
Nur so ertrinkst du nicht im Sturz der äußersten Gewalten Gespalten hast du dann den einen von dem ander´n Flügel. Gestalten ringen dann um dich, um die Führung deiner Zügel.

Trenne nicht den Flug vom Flüge sein,
lüge dein nicht falschen Reichtum ein; wage dich zum Fall aus vollem Garten, auf Dich warten, werde ich, auf deine Frage…

Hier bin ich, nimm meiner Flügel beide.






Das Wort

Bereschith
Am Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und es ist dies:
Bereschith

Ist es mein Fleisch, mein eigen Blut, das Wort?
Gleiche ich ihm, der spricht:
Bereschith,
das Wort?

Spricht es sich durch mich hindruch?
Bricht es mich mit seinem Ton?
Löst es mich, drängt es,
sehnt es sich in mir zu fragen,
Es zu hör´n:

Wo ist dein Sein in meinem Tun?
Wo dein Sein in meinem Ruh´n?
Lässt du mich bleiben dein Geheimnis?
Rufst du mich
mit deiner Liebe?







Das Wolkenschloss oder Es träumt Einer

Es träumt Einer von Blumen im Mond,
von Sternenlicht in Lampen.
Es träumt Einer, dass er im Wolkenschlosse wohnt,
bewacht von blauen Tigerpranken.

Von Regen in Spieldosen, träumt Einer,
von Sonnenglut im Herd.
Dass er in Sturmkutschen fährt, träumt Einer,
bespannt mit schneeweißem Pferd.

Wirst du träumend aus dem Fenster schau´n,
wenn die Wolken Tränen schütten?
Wirst du dem Sommerwinde trau´n,
der dir erzählt von Mandelblütenhütten,
ja vom Mandelblütenbaum?

Es träumt Einer von Blumen im Mond,
von Sternenlicht in Lampen.
Es träumt Einer, dass er im Wolkenschlosse wohnt.
Es träumt Einer.






zu-fällige Begegnung

Einmal saß ich im Park auf einer alten Bank,
so manchen Menschen in Ge-Dank,
als es über mir dem Wind,
mit einem einzel´n Blatt zu tanzen sinnt.
Löst es leise ab in meine Hand,
ich drin pulsierend ein ganzes Leben fand.

Die zarten Linien erzählten mir von unendlichen Wegen,
an deren Ufern sich die Gegenüberstehenden begegnen.
Ein Jeder mit seiner Lebenskarte in der Hand.
Ein Jeder hinter sich sein innerstes, durchschritt´nes Land.

Springen wir hinein in die uns trennend Fluten,
damit wir, vertrauend, schaffen neue Lebensgluten?
Tauchen wir ins Dunkle der noch unbeschrieb´nen Zeit,
schaffen wir, durch sie verbunden, das Werk der Ewigkeit?

Lass und in dem Zwischen beider Seiten untergeh´n,
in kraftdurchströmten Wogen die atmend Weiten seh´n.
So viele ungeahnte Farben sind in seinen Tiefen uns geschenkt.
So viele Wunder uns in Lichtern aufgehängt.
Sind solches nicht Begegnungen in einem jeden Leben,
geformt aus Freude an dem einfach sich-hin-geben?

Und wie ich saß auf meiner Bank und strich die Lebenslinien glatt,
fiel mir auf des Zufalls Fröhlichkeit.
Und nur der Wind weiß um den Tanz mit einem Blatt,
um das Lachen der Unmöglichkeit.






Unaussprechliches Einvernehmen

Über deinem Haupte wölbt der Himmel sein Angesicht.
Hör´, was aus meerbehang´nen Wolken er dir wortlos immer wieder neu verspricht.
Sieh´sein Licht, dass weder Ruh´, noch Halten kennt,
dass ohne Unterlass, dir auch im Dunkelsten der Kerker brennt.
Atme ein, was von deiner Quelle er dort tröstend dir erzählt
und gib ihm hin dein ganzes Wesen, aus der Umhüllung ausgeschält.

Unter deinen Füßen wogt der Erde Urgestein,
schenkt dir diese Hülle, das äuß´re Bild, den Schein.
Denn dein Sein ist unsichtbar verborgen, wie im Berg der funkelnde Smaragd,
lass ihm dies Geheimnis, höhl´es nicht aus, mach´es nicht nackt.
Dann bleibt es bewahrt und führt dich selbstzu diesem Kern,
geleitet dich auf deinem Weg, wie in jener Nacht der Stern.

Und in der Mitte beider Pole stehen Du und Ich als Schöpfungsbild.
Sind wir gewillt, auch über dem Geringsten zu halten uns´ren Schild?
Zu spannen uns´rer Herzen zielgerader Sehne vom Unten hin zum Oben;
so wie sich spannt als ew´ger Bund der leuchtend Farbenbogen?
Verweben wir in stillem Einvernehmen die Wölbung und die Wogen,
im Zwischen unaussprechlich, sind wir wortlos, zeitlos in ihm aufgehoben.







Inneres Erleben

Stille ist´s, unbewegt vergeht die Stund´.
Alles schweigt, ohne Regung harr´ich Rund´um Rund´.
Unendlich scheint´s, Ruh´des Seins,
nichts erklingt, unhörbar in mir ringt,
tiefes Weh´meiner Seel, die unerfüllt vergeht.

Höre doch, still ist sie,
die dir Kraft und Atem lieh´.

Ach´, wach doch auf
Sinn in mir; zeig´dich doch hier!
Tu´die Augen auf
blindes Sein.

Stille ist´s, stille ist´s, stille, still
unbewegt vergeht das Rund´,
dass sich selbst vollenden will.
„Spring auf!“, tut es kund,
„schließ mit mir einen Blutsverbund!“

Doch in mir schreit´s:
„Wach doch auf!“
„Höre doch! Auf
zu dreh´n, an dem Rad der Eitelkeit!
Macht ihn stumm, den Quell in deiner Brust.“

Lass´ ihn frei,
leis ertönt mein Hoffen.






Genesung

Sei getrost, schöpf´neue Hoffnung,
neuen Mut, neues Licht, schöpf´neue Kraft.
Auch der letzte Stein wird nicht verworfen,
liegt in deiner Hand zu bauen in Liebesmacht.

Hab´ Vertrauen,
dann wird es heilen,
lass es weilen,
du wirst staunen:

Wie sich am Ende alles
zusammenfügt zur großen Freude.
… Glaube nur …







Hüte und Pfauenfedern




Bildreihen

Die Bildreihen sind musikalische Erzählungen, die während des Spiels vom Musizierenden selbst gesprochen oder gesungen werden. Dadurch erhält das Werk eine zweite Dimension des Verstehens bzw. Empfindens, die durch nebenher ausgestellte oder filmbasiert mitlaufende Bilder visualisiert wird.
Momentan entstehen dazu kleinere Hefte, mit denen dem Betrachter und Leser Zeit geschenkt werden soll, in Worte und Bilder einzutauchen.



„Vom Ursprünglichen“

Dieser Zyklus handelt in fünf Teilen vom Wachsen und Vergehen, vom Sein und Werden, das in der Wurzel nicht getrennt voneinander erlebt, sondern als zusammengehörendes Schöpfungsmerkmal erfahren werden darf. Das Samenkorn umfasst schon den ganzen Baum, der Baum enthüllt den Samen. Immer enthält die eine Seite auch die andere, beide bestehen einzeln und doch nur durch ihr Gegenüber. Davon erzählt dieses Werk.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 01Ursprung-1024x724.jpeg

I Erschaffung [Werkauszug]

Am Anfang, aus dem Unsichtbaren, Unhörbaren, Unfassbaren,
gebiert sich eine Form, ein Ton, ein Samenkorn hervor.
Trägt im Innersten verborgen, sich selbst schon, voll an Lebensjahren
trägt sogleich die Sehnsucht aus diesem Allessein zum Nichts wieder empor.

In der Erde Schoß gedeihend, sprosst an ihrem Horizont,
wächst und bricht sich in der Blüte schließlich auf zum Himmelszelt.
Bis sein Haupt sich wieder neigt und die Frucht zum Reifen sonnt.
Bis es erfüllt erstirbt und zurück in unsichtbare Hände fällt.

All dies Leben, all dies Sein und Wachsen ist schon im Beginn in ihm enthalten.
All dies Tun und Lassen schon bestimmt durch das unnennbare Walten.
Nur sein Klingen, sein Erleben im Auf- und Untergang der Zeiten,
nur sein unbedingtes Streben zum Höchsten ist ihm eigen.
Aus ihm wird er sich in das Nachtgefunkel wieder neigen,
und als Frucht, wird sich neue Frucht bereiten.






Weltenwanderung“

Inspiriert durch das Buch „Der Wunderapostel“ von Hans Sterneder, ist eine Komposition für Solocello, 2 Stimmen und HangDrum entstanden, die mit zehn Bildern über das Menschwerden erzählt. Die Wandlungen vom „Mineral“ zur „Pflanze“ bis zum „Stern“ hinauf, sind ist als äußere Erscheinung sichtbar, vollziehen sich aber eigentlich im Inneren. In diesem Sinn habe ich diesen „Weltenwanderweg“ gesucht und in diesem Werk zum Ausdruck gebracht.

Urbeginn [Werkauszug]

Im Urbeginn ist Nichts,
nur grenzenloser Geist.
Das Beben eines Lichts,
das Unnennbares heißt.

Es schwingt wie großer Glockenton
– umfassend Symphonie –
schöpft unsichtbar´n Ideendom
in vollendet Harmonie.

Der sich dann wiederum ergießt
wie aus Wolken Regenfälle;
und als Geistgedanke fließt
hin zu neuer Schwingungswelle.

Geführt von Flamme, Luft und Nass und Erde,
baut sich der Dome sichtbar´ Kleid.
Beginnt der Kreis des Sein und Werde
in dem sich Ich-Vergessen an Vollendung reiht.





PEPITO, Eine musikalische Erzählung für kleine, große und erwachsene Kinder“


Eine Ouvertüre und Coda umrahmen die vier Jahreszeiten, die mit jeweils zwei Geschichten und selbstgezeichneten Bildern über den kleinen Jungen Pepito und seine Erlebnisse und Abenteuer im und um das „Bauernhäusschen mit rotem Ziegeldach“ erzählen.
Dazu gibt es zwölf Stücke für Cello Solo und Gesang, die zusammen mit den eingelesenen Geschichten auf zwei CD´s zu hören sind.
Ganz hinten im Buch sind den Texten auch Noten zu vier Liedern beigfügt, die in Reimform über jede Jahreszeit erzählen
und die so selbst am Klavier gespielt und gesungen werden können.

[Ausschnitt] Erzählende Ouvertüre

Dicht an den Bergesrändern, dort, wo der Fluss hurtig seine Wasserstrudel tanzen lässt und die Bäume besonders grün und kräftig sind, steht ein kleines Bauernhäusschen mit rotem Ziegeldach. Umzäunt wird es von hohen Blumenrabatten in allen Farben und von einem Stückchen Feld, auf dem der Vater im Frühling Kartoffeln und allerlei Getreide anbaut. Über die weiten Wiesen schlängelt sich ein gelber Feldweg zum nächstgelegenen Dorf und an der Hinterseite des Hauses führt ein schmaler Trampelpfad zum Fluss, auf dem man im Sommer gut den kleinen Kahn tragen kann. Auf dem Hof unter dem großen Maronenbaum gackern ein paar Hühner und Frantz, ein goldbrauner Hütehund mit Schlappohren, träumt unter den Zweigen vor sich hin. Der Großvater sitzt zu ihm hinuntergebeugt auf der blauen Bank und grault ihm das weiche Fell, während die Mutter, liebevoll Mamouscha genannt, damit beschäftigt ist, die gemütlich vor sich hin grasende Kuh Donna Susu zu melken. Irgendwo im Gebüsch strolcht der Kater Isidor umher und wühlt hier und da in einem Mauseloch oder Maulwurfshügel, ob denn nicht ein Kamerad zum Strolchen zu finden wäre. Aber oft verstehen die kleinen Tiere ihn nicht und verkriechen sich nur vor seinen scharfen Krallen, nur allzu gern, schnell wieder in ihren Höhlen.

Ja und dann…? [……]