Zu Anfang


Jeder Mensch ist ein Same
gepflanzt in die dichte Erde.
Und jedem gebührt derselbe Name,
die Erfüllung: „Sei und Werde
Selbst!“

Auszug aus „Der Sämann“




Irgendwo in seinen innersten, unbeschreibbaren Räumen,
trägt jeder Mensch ein Urbild seiner selbst in sich, seiner eigenen Vollkommenheit.
Es ist wie ein Samenkorn, in welchem schon der Duft, die Farbe und Form seiner Blüte vollendet innewohnt.
Seine Bestimmung ist es, sich diesem Weg der Vollendung anheim zu geben, um letztlich,
aus der blütengeborenen Frucht, wieder Quelle für neuen Samen zu werden.
Seine Vollkommenheit entsteht also aus der ständigen Hingabe an diese Verwandlung.


Es ist die Geschichte des Menschen. Desjenigen, der zeitlos geworden ist
und für den weder Anfang noch Ende existieren, sondern einzig das ewige
„ES IST“.

Zu Anfang meint also: immer wieder und immer wieder neu.
Auf dieser Seite werden zum Beginn einer neuen Woche
Auszüge aus meinem künstlerischen Schaffen; aus Werken Anderer, die meine Tage begleiten
oder aber einfach Gedanken über mein innerstes Bild des Menschen erscheinen.

Diese kurzen Texte erscheinen auch auf dem Telegram-Kanal:
Feuervogel – Aufbruch zum Wesen

t.me/+YRlG9jvmlPQ0N2My






Zeichen auf dem Weg



Die Welt hinter der Welt

Hinter dem großen Spieltisch,     
auf dem verbissen oder langeweilt 
lautzeternd oder stillverschweigt,    
leger oder steif vorn über geneigt
ein großes Kartengemisch

mit Abbildern von allen Lebenvarianten
und von allen Toden
von Menschenhand geschoben
und verspielt, heimlich angehoben
oder offen, in eleganten 

Weisen hantiert werden, 
hinter diesem Tisch, diesem Spielezelt 
liegt die Welt hinter der Welt. 
Dreht man sich um, dann stellt
sich jenes sehnsuchtsschwere

Schimmern in die Augen ein
das weiß, es gibt noch einen andren Sinn.
Es ist des Wanderers Hoffen, nicht im Gewinn,
sondern hinter der Welten Anbeginn 
irgendwo ein Licht, noch heller, als der Schein

der bloßen Sonnenglut zu schauen.
Was ihn überkam, gleichsam überfiel 
war das hehre, unbedingte Ziel
hinter diesem unbewussten Spiel 
seine Welt und seine Sonne zu erbauen.

Da stand er auf und ging
und ließ die Leute spielen,
lachte, wie sie sich im Spiele selbst gefielen
und hob den Vorhang seiner Augenschwielen
auf und sah: hinter jedem Ding

stand seine Welt, stand
seine Sonne, stand sein Garten.
Und er ließ nicht Einen davor warten,
sondern zeigte, offenbarte 
wen die Sehnsucht übermannt,

dass nicht im äußren Schein,
sondern im Innern alle Freiheit liegt.
Und still vergnügt,
sich selbst und alles unbewusste Spiel besiegt
ging er aus und ging er ein

in der Welten Doppelsein.